Kurzantwort
Ein guter Hotelstandort garantiert noch kein wirtschaftlich tragfähiges Hotelprojekt.
Entscheidend ist nicht allein, ob an einem Standort hohe Zimmerpreise oder eine gute touristische Nachfrage möglich sind. Ebenso wichtig ist die Frage, wie hoch die für Grundstück, Gebäude, Tiefgarage, Ausstattung, Erschließung, Planung und Finanzierung erforderliche Gesamtinvestition ausfällt.
Erst die Gegenüberstellung von
nachhaltiger Ertragskraft
und
erforderlichem Investitionsvolumen
zeigt, ob ein Hotelprojekt wirtschaftlich tragfähig sein kann.
Ein guter Standort kann einen Hotelbetrieb ermöglichen. Er garantiert aber nicht, dass jede dort technisch oder planungsrechtlich mögliche Projektgröße wirtschaftlich sinnvoll ist.
Worum geht es?
Bei der Entwicklung eines Hotels werden häufig zunächst positive Standortfaktoren betrachtet.
Zum Beispiel:
- touristische Nachfrage
- attraktive Lage
- erzielbare Zimmerpreise
- Auslastungsmöglichkeiten
- Gastronomie- und Wellnesspotenzial
Diese Faktoren sind wichtig.
Sie beantworten jedoch noch nicht die entscheidende Investorenfrage:
Reicht die nachhaltig erzielbare Ertragskraft aus, um die notwendige Gesamtinvestition wirtschaftlich zu tragen?
Gerade bei großen Hotelprojekten kann zwischen beiden Größen eine erhebliche Lücke entstehen.
Ein Hotelprojekt besteht nicht nur aus Zimmern
Bei einer Projektkalkulation reicht es nicht aus, die Zahl der Zimmer mit einem Baukostenansatz zu multiplizieren.
Zu einem größeren Hotelprojekt können beispielsweise gehören:
- Hotelzimmer
- Rezeption und Lobby
- Gastronomie
- Großküche
- Bar
- Wellness
- Schwimmbad
- Fitness- und Sportbereiche
- Technikflächen
- Tiefgarage
- Stellplätze
- Außenanlagen
- Erschließung
Hinzu kommen zahlreiche Projektnebenkosten.
Anonymisiertes Praxisbeispiel
In einem Bewertungsfall war die wirtschaftliche Plausibilität eines geplanten größeren Ferienhotels ergänzend zu untersuchen.
Das Konzept sah ungefähr:
150 Hotelzimmer
sowie unter anderem
- Gastronomie
- Wellness- und Sportbereiche
- Schwimmbad
- umfangreiche Stellplatzanlagen
- eine größere Tiefgarage
vor.
Für das geplante Hotelgebäude war eine Bruttogrundfläche von rund:
10.750 m²
angegeben.
Bereits diese Größenordnung verdeutlicht, dass es sich nicht um einen einfachen Beherbergungsbetrieb, sondern um ein kapitalintensives Full-Service-Hotel handeln würde.
Baukosten des Hotelgebäudes
Für eine überschlägige Betrachtung wurden unterschiedliche Baukostenansätze je Quadratmeter Bruttogrundfläche untersucht.
Modellhaft wurden angesetzt:
- günstiges Szenario: 3.500 €/m² BGF
- mittleres Szenario: 4.000 €/m² BGF
- hohes Szenario: 4.500 €/m² BGF
Bei rund 10.750 m² BGF ergaben sich allein für das Hotelgebäude Größenordnungen von etwa:
37,6 bis 48,4 Mio. €
Damit ist jedoch nur ein Teil des Gesamtprojekts erfasst.
Die Tiefgarage als erheblicher Kostenfaktor
Das geplante Projekt sah rund:
142 Tiefgaragenstellplätze
vor.
Für eine überschlägige Betrachtung wurde einschließlich
- Fahrgassen
- Rampen
- Technik
- Nebenflächen
mit etwa 35 m² je Stellplatz gerechnet.
Daraus ergab sich eine Tiefgaragenfläche von rund:
4.970 m²
Je nach Kostenansatz ergaben sich hierfür modellhafte Herstellungskosten von etwa:
6 bis 9 Mio. €
Warum Tiefgaragen wirtschaftlich besonders relevant sind
Tiefgaragen erzeugen regelmäßig hohe Baukosten.
Dazu gehören unter anderem:
- Aushub
- Tragwerk
- Abdichtung
- Brandschutz
- Lüftung
- Entwässerung
- Beleuchtung
- technische Anlagen
Der wirtschaftliche Nutzen eines Stellplatzes muss deshalb immer im Verhältnis zu seinen Herstellungskosten betrachtet werden.
Gerade bei Hotelprojekten kann ein hoher Stellplatzbedarf die Gesamtinvestition deutlich erhöhen.
Hotelmöblierung und Ausstattung nicht vergessen
Ein Hotel ist nach Fertigstellung des Roh- und Ausbaugebäudes noch nicht betriebsbereit.
Zusätzlich erforderlich sind beispielsweise:
- Zimmermöblierung
- Betten
- Beleuchtung
- Rezeption
- Lobby
- Restaurantmöblierung
- Bareinrichtung
- Großküche
- Wellnessausstattung
- Fitnessgeräte
- IT- und Hotelsysteme
- loses Inventar
Für diese sogenannte FF&E-Ausstattung können bei hochwertigen Hotels erhebliche Beträge entstehen.
Im Praxisfall wurden modellhaft etwa:
35.000 bis 65.000 € je Zimmer
angesetzt.
Bei 150 Zimmern ergab dies eine Größenordnung von etwa:
5,25 bis 9,75 Mio. €
Erschließung und Außenanlagen
Auch die Grundstücksentwicklung selbst verursacht Kosten.
Dazu können gehören:
- interne Erschließung
- Stellplatzanlagen
- Außenflächen
- Wege
- Feuerwehrzufahrten
- Wasser- und Abwasseranschlüsse
- Anpassung bestehender Verkehrsflächen
- Geländemodellierung
Im Praxisfall wurden hierfür modellhafte Ansätze von etwa:
1,5 bis 4,0 Mio. €
untersucht.
Abbruch und Freilegung
Bei einem bereits bebauten Entwicklungsgrundstück kommt noch ein weiterer Kostenblock hinzu.
Vor dem Neubau muss gegebenenfalls zunächst der vorhandene Bestand beseitigt werden.
Dazu gehören:
- Rückbau
- Abbruch
- Entsorgung
- Schadstoffbehandlung
- Freilegung
Für die Projektwirtschaftlichkeitsbetrachtung wurden hierfür ebenfalls erhebliche Beträge berücksichtigt.
Planungs- und Baunebenkosten
Die direkten Baukosten bilden noch nicht die Gesamtinvestition.
Zusätzlich entstehen beispielsweise Kosten für:
- Architektur
- Fachplanung
- Statik
- technische Gebäudeausrüstung
- Brandschutz
- Bauphysik
- Gutachten
- Projektsteuerung
- Genehmigungen
- Vermessung
- Versicherungen
Bei größeren Hotelprojekten können diese Positionen einen erheblichen Anteil der Gesamtinvestition ausmachen.
Finanzierung und Pre-Opening
Während der Entwicklungs- und Bauphase entstehen weitere Kosten.
Zum Beispiel:
- Finanzierungskosten
- Bereitstellungszinsen
- Vermarktung
- Betreiberakquise
- Personalaufbau
- Schulungen
- Pre-Opening
- Anlaufverluste
Diese Kosten werden häufig unterschätzt, obwohl sie gerade bei langen Projektlaufzeiten erheblich sein können.
Auch das Grundstück gehört zur Investition
Neben allen Bau- und Projektkosten muss der Grundstückswert berücksichtigt werden.
Im Praxisfall wurde für die überschlägige Projektbetrachtung ein Grundstückswert von ungefähr:
3,9 Mio. €
angesetzt.
Damit machte der Bodenwert nur einen vergleichsweise kleinen Anteil der gesamten Investition aus.
Das ist ein wichtiger Punkt.
Nicht jedes wirtschaftliche Problem eines Hotelprojekts lässt sich durch einen niedrigeren Grundstückspreis lösen.
Überschlägiges Gesamtinvestitionsvolumen
Unter Einbeziehung der wesentlichen Projektbestandteile ergaben sich modellhaft folgende Größenordnungen:
| Szenario | Gesamtinvestition |
|---|---|
| günstig | ca. 67 Mio. € |
| mittel | ca. 82 Mio. € |
| hoch | ca. 100 Mio. € |
Diese Werte stellen keine detaillierte Kostenberechnung dar.
Sie zeigen jedoch die Größenordnung des Kapitals, das für ein derartiges Projekt erforderlich sein kann.
Jetzt kommt die entscheidende Frage
Ein Investitionsvolumen von 67, 82 oder 100 Mio. € ist allein noch kein wirtschaftliches Problem.
Entscheidend ist:
Welche nachhaltige Ertragskraft kann das Projekt erzeugen?
Hierzu müssen insbesondere betrachtet werden:
- Zimmerpreis
- Auslastung
- Zimmerumsatz
- Gastronomie
- Wellness
- Betriebskosten
- operative Marge
Modellhafte Betriebsszenarien
Für das geplante Hotel wurden unterschiedliche Szenarien betrachtet.
Vorsichtiges Szenario
- durchschnittlicher Zimmerpreis: 180 €
- Auslastung: 55 %
- Gesamtumsatz: ca. 7,3 Mio. €
- operativer Überschuss: ca. 1,83 Mio. €
Mittleres Szenario
- durchschnittlicher Zimmerpreis: 210 €
- Auslastung: 62 %
- Gesamtumsatz: ca. 10,0 Mio. €
- operativer Überschuss: ca. 2,99 Mio. €
Günstiges Szenario
- durchschnittlicher Zimmerpreis: 240 €
- Auslastung: 68 %
- Gesamtumsatz: ca. 13,0 Mio. €
- operativer Überschuss: ca. 4,28 Mio. €
Der operative Überschuss ist noch keine Immobilienrendite
Diese Beträge dürfen nicht mit dem Jahresertrag des Eigentümers gleichgesetzt werden.
Aus dem operativen Ergebnis können je nach Struktur noch zu bedienen sein:
- Finanzierung
- Betreiber- oder Managementvergütung
- Pacht
- FF&E-Rücklagen
- Ersatzinvestitionen
- Steuern
- Eigentümervergütung
Die operativen Überschüsse dienen deshalb zunächst nur als Größenordnung zur Beurteilung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.
Investitionsvolumen und Ertragskraft gegenüberstellen
Besonders aussagekräftig ist die Relation zwischen dem erforderlichen Gesamtkapital und der operativen Ertragskraft.
Im Praxisfall ergaben sich überschlägig Größenordnungen von etwa:
- 2,7 % im vorsichtigen Szenario
- 3,7 % im mittleren Szenario
- 4,3 % im günstigen Szenario
bezogen auf die jeweils modellhafte Gesamtinvestition.
Diese Werte stellen ausdrücklich keine unmittelbar ableitbare Immobilienrendite dar.
Sie verdeutlichen jedoch, welcher operative Überschuss im Verhältnis zum eingesetzten Gesamtkapital zur Verfügung steht.
Beispiel
Angenommen:
Gesamtinvestition: 82 Mio. €
operativer Überschuss: 3 Mio. € jährlich
Dann ergibt sich überschlägig:
3 Mio. € / 82 Mio. € = rund 3,7 %
Dieser Betrag steht jedoch noch vor weiteren Kapital- und Eigentümerkosten.
Damit wird deutlich, wie anspruchsvoll die wirtschaftliche Tragfähigkeit eines solchen Projekts sein kann.
Gute Zimmerpreise lösen nicht jedes Problem
Ein häufiger Denkfehler lautet:
„Wenn wir 220 oder 240 € pro Zimmer erzielen können, funktioniert das Projekt.“
So einfach ist es nicht.
Entscheidend ist gleichzeitig:
- Wie oft wird dieser Preis erzielt?
- Wie hoch ist die Jahresauslastung?
- Welche Betriebskosten entstehen?
- Wie hoch ist das Investitionsvolumen?
Ein hoher Zimmerpreis kann durch eine zu hohe Gesamtinvestition wirtschaftlich wieder relativiert werden.
Auch eine hohe Auslastung hat Grenzen
Bei Ferienhotels ist eine dauerhaft hohe Jahresauslastung anspruchsvoll.
Saisonale Schwankungen können entstehen durch:
- Wetter
- Ferienzeiten
- Wintersportbedingungen
- konjunkturelle Entwicklung
- Wettbewerb
- Reiseverhalten
Eine Projektkalkulation sollte deshalb nicht ausschließlich auf einem dauerhaft optimalen Szenario beruhen.
Das Best-Case-Szenario darf nicht zum Standard werden
Gerade bei Projektentwicklungen besteht die Gefahr, dass mehrere günstige Annahmen gleichzeitig verwendet werden:
- hohe ADR
- hohe Auslastung
- hohe Nebenerlöse
- niedrige Betriebskosten
- niedrige Baukosten
Jede Annahme für sich kann plausibel erscheinen.
In Kombination kann daraus jedoch ein sehr optimistisches Gesamtbild entstehen.
Szenariotechnik statt Punktprognose
Deshalb ist es sinnvoll, mehrere Szenarien zu betrachten.
Zum Beispiel:
- vorsichtig
- wahrscheinlich
- günstig
Dadurch wird sichtbar, wie empfindlich das Projekt auf Veränderungen einzelner Parameter reagiert.
Diese sogenannte Sensitivität ist bei Hotelprojekten besonders wichtig.
Baukostensteigerungen können das Projekt kippen
Große Hotelprojekte besitzen lange Entwicklungs- und Bauzeiten.
Schon vergleichsweise geringe prozentuale Kostensteigerungen können deshalb absolut erhebliche Beträge ausmachen.
Bei einer Investition von beispielsweise 80 Mio. € entsprechen:
5 % Kostensteigerung = 4 Mio. €
Eine solche Veränderung kann die wirtschaftliche Gesamtbetrachtung erheblich beeinflussen.
Gleiches gilt für den Hotelbetrieb
Auch kleine Änderungen der betrieblichen Kennzahlen können große Auswirkungen haben.
Beispielsweise:
- geringere Auslastung
- niedrigere ADR
- höhere Personalkosten
- höhere Energiekosten
Bei 150 Zimmern wirken sich Veränderungen über das gesamte Jahr auf viele Tausend Zimmernächte aus.
Warum ein guter Standort trotzdem wichtig bleibt
Ein wirtschaftlich problematisches Projekt bedeutet nicht automatisch, dass der Standort ungeeignet ist.
Der Standort kann touristisch sehr attraktiv sein und grundsätzlich einen wirtschaftlichen Hotelbetrieb ermöglichen.
Das Problem kann vielmehr in der konkreten Projektkonzeption liegen.
Zum Beispiel:
- zu viele Zimmer
- zu große Tiefgarage
- zu umfangreicher Wellnessbereich
- zu hohe Bauqualität
- zu hohe Gesamtinvestition
Ein kleineres Projekt kann wirtschaftlich besser sein
Ein reduziertes Hotelkonzept kann unter Umständen:
- weniger Kapital benötigen
- effizienter betrieben werden
- höhere Flächeneffizienz besitzen
- weniger Personal benötigen
- ein besseres Verhältnis zwischen Investition und Ertrag erreichen
Daraus folgt:
Die maximal mögliche Bebauung ist nicht automatisch die wirtschaftlich optimale Bebauung.
Tragbarer Grundstückspreis und Verkehrswert unterscheiden
Bei Projektentwicklungen wird häufig rückwärts gerechnet:
Welchen Grundstückspreis kann das Projekt wirtschaftlich tragen?
Diese Frage ist für den Entwickler wichtig.
Sie ist jedoch nicht identisch mit der Frage nach dem Verkehrswert des Grundstücks.
Der Verkehrswert ist nach den tatsächlichen Grundstücksmerkmalen und Marktverhältnissen abzuleiten.
Die projektbezogene Investitionsrechnung dient vielmehr als Plausibilitäts- und Wirtschaftlichkeitsbetrachtung.
Beispiel
Angenommen, ein Projekt wäre bei einem Grundstückspreis von:
400 €/m²
wirtschaftlich interessant.
Daraus folgt nicht automatisch:
Der Verkehrswert beträgt 400 €/m².
Möglicherweise zahlt der allgemeine Grundstücksmarkt mehr.
Dann wäre nicht das Grundstück zu teuer, sondern das konkrete Projekt wirtschaftlich nicht ausreichend tragfähig.
Das Grundstück ist häufig nicht der größte Kostenblock
Gerade bei großen Hotelentwicklungen dominieren häufig:
- Hochbau
- Tiefgarage
- technische Ausstattung
- Hotelmöblierung
- Planung
- Finanzierung
Der Grundstückspreis ist zwar relevant, kann aber nur einen vergleichsweise kleinen Teil der Gesamtinvestition ausmachen.
Eine Reduzierung des Grundstückspreises kann deshalb ein strukturell zu teures Projekt nicht zwangsläufig retten.
Projektwirtschaftlichkeit ist nicht Verkehrswertermittlung
Eine überschlägige Investitionsrechnung kann wertvolle Erkenntnisse liefern.
Sie ersetzt aber keine vollständige:
- Hotel-Machbarkeitsstudie
- Betreiberanalyse
- Baukostenberechnung
- Finanzierungsplanung
Für eine belastbare Investitionsentscheidung wären regelmäßig deutlich detailliertere Untersuchungen erforderlich.
Welche Unterlagen wären für eine vertiefte Prüfung erforderlich?
Beispielsweise:
- konkrete Baukostenberechnung
- Flächenberechnung
- Betreiberkonzept
- Zimmermix
- detaillierte ADR-Prognose
- saisonale Auslastungsplanung
- Personalplanung
- Betriebskostenrechnung
- Pacht- oder Managementvertrag
- Finanzierungsstruktur
- FF&E-Konzept
- Ersatzinvestitionsplanung
Je weiter ein Projekt fortschreitet, desto detaillierter sollte die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung werden.
Typische Fehler
Nur auf den Umsatz schauen
Hoher Umsatz bedeutet noch keine ausreichende Ertragskraft.
Grundstückspreis als Hauptproblem ansehen
Bei kapitalintensiven Projekten können Bau- und Betriebskosten wesentlich bedeutender sein.
Baukosten zu eng definieren
Tiefgarage, Ausstattung, Planung, Finanzierung und Pre-Opening werden leicht unterschätzt.
Best-Case-Annahmen kombinieren
Hohe ADR, hohe Auslastung und niedrige Kosten gleichzeitig führen schnell zu überoptimistischen Ergebnissen.
Operativen Überschuss mit Immobilienrendite verwechseln
Weitere Kapital- und Eigentümerkosten sind zu berücksichtigen.
Maximales Baurecht automatisch als optimale Projektgröße ansehen
Mehr Fläche und mehr Zimmer können die Wirtschaftlichkeit auch verschlechtern.
Projekttragfähigen Grundstückspreis mit Verkehrswert gleichsetzen
Beide Größen beantworten unterschiedliche Fragen.
Vorgehensweise
Für eine erste überschlägige Beurteilung eines Hotelprojekts bietet sich folgende Struktur an:
Schritt 1 – Projektumfang bestimmen
- Zimmerzahl
- BGF
- Gastronomie
- Wellness
- Stellplätze
- Tiefgarage
Schritt 2 – Direkte Baukosten abschätzen
Welche Herstellungskosten sind für das konkrete Qualitätsniveau zu erwarten?
Schritt 3 – Ausstattung berücksichtigen
Welche FF&E- und Betriebsausstattung ist erforderlich?
Schritt 4 – Außenanlagen und Erschließung erfassen
Welche zusätzlichen Projektmaßnahmen entstehen?
Schritt 5 – Planungs- und Nebenkosten berücksichtigen
Welche Fachplanungs- und Projektkosten fallen an?
Schritt 6 – Finanzierung und Pre-Opening einbeziehen
Wie hoch sind die Kosten bis zum stabilisierten Betrieb?
Schritt 7 – Grundstückswert berücksichtigen
Welches Kapital wird im Grund und Boden gebunden?
Schritt 8 – Gesamtinvestition bestimmen
Welche Kapitalgröße muss insgesamt getragen werden?
Schritt 9 – Nachhaltige Betriebserträge ermitteln
Welche ADR, Auslastung und Nebenumsätze sind nachhaltig?
Schritt 10 – Operative Ertragskraft ableiten
Welcher Überschuss verbleibt nach den laufenden Betriebskosten?
Schritt 11 – Investition und Ertrag vergleichen
Stehen beide Größen in einem wirtschaftlich angemessenen Verhältnis?
Schritt 12 – Sensitivität untersuchen
Was passiert bei:
- 5 % höheren Baukosten?
- niedrigerer Auslastung?
- geringerer ADR?
- höheren Personalkosten?
Formulierungsbaustein
Die wirtschaftliche Tragfähigkeit eines Hotelprojektes kann nicht allein aus der touristischen Attraktivität des Standortes oder den grundsätzlich erzielbaren Zimmerpreisen abgeleitet werden.
Maßgeblich ist vielmehr, ob die nachhaltig erzielbare operative Ertragskraft in einem angemessenen Verhältnis zum erforderlichen Gesamtinvestitionsvolumen steht. Hierbei sind neben den eigentlichen Hochbaukosten insbesondere Grundstück, Tiefgarage, Ausstattung, Außen- und Erschließungsanlagen, Planungs- und Projektkosten, Finanzierung sowie Anlaufkosten zu berücksichtigen.
Eine hohe touristische Nachfrage kann daher einen grundsätzlich geeigneten Hotelstandort begründen, ohne dass hieraus zugleich die wirtschaftliche Tragfähigkeit jeder denkbaren Projektgröße folgt.
Insbesondere bei kapitalintensiven Full-Service-Hotelprojekten ist zu prüfen, ob die nachhaltig erzielbaren Zimmer-, Gastronomie- und sonstigen Erlöse nach Abzug der laufenden Betriebskosten eine marktgerechte Verzinsung des erforderlichen Kapitals ermöglichen.
Kernaussage
Ob ein Hotelprojekt wirtschaftlich tragfähig ist, entscheidet sich nicht allein an Lage, Zimmerpreis oder Umsatz. Maßgeblich ist das Verhältnis zwischen nachhaltiger Ertragskraft und dem gesamten Kapital, das für Grundstück, Gebäude, Ausstattung, Planung und Finanzierung eingesetzt werden muss.
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