Skip to content

Erschließung und Erreichbarkeit bei Bergimmobilien – wenn Quelle, Kläranlage, Almweg und Saisonabhängigkeit zum Wertfaktor werden

Warum nicht ortsübliche Ver- und Entsorgung, lange Zufahrten sowie Wetter- und Besucherabhängigkeit bei touristischen Spezialimmobilien nicht nur betriebliche, sondern auch grundstücksbezogene Wertmerkmale sind

  • Erschließung
  • Außenbereich
  • eigene Quelle
  • Kläranlage
  • Almweg
  • Erreichbarkeit
  • Saisonabhängigkeit
  • Wetterabhängigkeit
  • Besucherfrequenz
  • Berggaststätte
  • Spezialimmobilie
  • Verkehrswert

Kurzantwort ​

Bei touristischen Spezialimmobilien in Berg- und Außenbereichslagen können Erschließung, Erreichbarkeit und Saisonabhängigkeit zu zentralen Wertfaktoren werden.

Im Praxisfall lagen mehrere Besonderheiten gleichzeitig vor:

  • Zufahrt über einen längeren Alm- beziehungsweise Bergweg
  • rund 7 bis 8 km Wegstrecke bis zum Objekt
  • etwa 15 Minuten Fahrzeit mit dem Pkw
  • eigene Wasserversorgung über eine Quelle
  • UV-Aufbereitung des Wassers
  • eigene Abwasserentsorgung über eine Kläranlage
  • starke Abhängigkeit von Wetter und Saison
  • Besucherfrequenz als wesentlicher Erfolgsfaktor

Diese Merkmale wirken nicht nur auf den laufenden Betrieb.

Sie können auch beeinflussen:

  • Bodenwert
  • nachhaltige Pacht
  • Käuferkreis
  • Marktgängigkeit
  • Drittverwendungsfähigkeit
  • Investitionsrisiko

Nicht ortsübliche Erschließung ist bei Spezialimmobilien kein technisches Nebenthema. Sie kann die wirtschaftliche Nutzbarkeit des gesamten Grundstücks prägen.

Worum geht es? ​

Bei innerörtlichen Immobilien wird Erschließung häufig als selbstverständlich vorausgesetzt.

Typischerweise bestehen:

  • öffentliche Straße
  • Wasseranschluss
  • Kanalanschluss
  • Strom
  • reguläre Zufahrt

Bei einer Bergimmobilie kann die Situation völlig anders aussehen.

Erschließung ist mehr als „Anschluss vorhanden“ ​

Bewertungstechnisch sollte nicht nur gefragt werden:

Gibt es Wasser und Abwasser?

Sondern:

Wie zuverlässig, aufwendig und marktüblich ist die Versorgung organisiert?

Anonymisiertes Praxisbeispiel ​

Bewertet wurde eine Berggaststätte in besonderer Alm- und Außenbereichslage.

Die Erschließung wich deutlich von innerörtlichen Verhältnissen ab.

Zufahrt über Almweg ​

Die Zufahrt erfolgte über einen längeren Berg- beziehungsweise Almweg.

Nach den vorliegenden Angaben betrug die Strecke von der Talstation bis zum Objekt ungefähr:

7 bis 8 km

Die Fahrzeit lag bei rund:

15 Minuten mit dem Pkw

Diese Entfernung ist wirtschaftlich relevant ​

Die Zufahrt betrifft nicht nur Gäste.

Sie beeinflusst auch:

  • Lieferverkehr
  • Personal
  • Handwerker
  • Rettungsdienste
  • Müllabfuhr
  • Instandhaltung
  • Winterdienst

Erreichbarkeit ist daher kein reiner Komfortfaktor ​

Bei einer Gaststätte kann sie unmittelbar auf die Wirtschaftlichkeit wirken.

Personal ​

Ein Arbeitsplatz in schwer erreichbarer Almlage kann weniger attraktiv sein als ein Arbeitsplatz im Tal.

Das kann:

  • Personalgewinnung erschweren
  • Fahrtaufwand erhöhen
  • betriebliche Flexibilität reduzieren

Lieferverkehr ​

Lebensmittel, Getränke und Verbrauchsmaterialien müssen regelmäßig angeliefert werden.

Eine lange Almzufahrt kann:

  • Lieferkosten erhöhen
  • Lieferzeiten verlängern
  • größere logistische Planung erfordern

Handwerker und Sanierung ​

Auch Bau- und Reparaturmaßnahmen werden aufwendiger.

Transport von:

  • Material
  • Werkzeug
  • Maschinen

kann deutlich schwieriger sein als bei innerörtlichen Gebäuden.

Damit steigt das Investitionsrisiko ​

Ein Käufer muss nicht nur die eigentlichen Sanierungskosten betrachten.

Auch Lage und Transport können die praktische Umsetzung erschweren.

Besucherfrequenz hängt an der Erreichbarkeit ​

Für eine Berggaststätte kann eine gewisse Abgeschiedenheit attraktiv sein.

Sie kann aber gleichzeitig Besucher ausschließen.

Gegensätzliche Wirkung ​

Positiv:

  • Naturerlebnis
  • besondere Lage
  • Ausflugsziel

Negativ:

  • längere Anfahrt
  • eingeschränkte spontane Erreichbarkeit
  • Abhängigkeit vom Wegzustand

Genau deshalb ist Erreichbarkeit nutzungsbezogen zu bewerten ​

Für ein touristisches Ausflugsziel kann der Weg Teil des Erlebnisses sein.

Für eine normale Wohn- oder Gewerbeimmobilie wäre dieselbe Zufahrt deutlich problematischer.

Eigene Wasserversorgung ​

Das Objekt verfügte über eine eigene Quelle.

Nach den vorliegenden Angaben erfolgte eine Aufbereitung über:

UV-Technik

Das kann grundsätzlich funktional sein ​

Eine eigene Quelle ermöglicht Versorgung auch ohne öffentlichen Wasseranschluss.

Aber sie erzeugt zusätzliche Verantwortung ​

Ein Erwerber muss möglicherweise beachten:

  • technische Funktion
  • Wasserqualität
  • Wartung
  • Reparatur
  • Ersatzinvestitionen

Eigene Quelle ist deshalb nicht automatisch wertmindernd ​

Sie ist aber auch nicht automatisch gleichwertig mit einer öffentlichen Wasserversorgung.

Entscheidend ist die konkrete Funktionssicherheit ​

Bewertungstechnisch relevant sind insbesondere:

  • ausreichende Ergiebigkeit
  • technische Aufbereitung
  • Betriebssicherheit
  • Wartungsaufwand

Das Gutachten führte keine vertiefte technische Untersuchung durch ​

Deshalb sollte aus der bloßen Existenz der Quelle keine übermäßige technische Sicherheit abgeleitet werden.

Eigene Kläranlage ​

Auch die Abwasserentsorgung erfolgte nicht über eine normale öffentliche Kanalisation.

Stattdessen bestand eine:

eigene Kläranlage

Auch hier funktional, aber nicht ortsüblich ​

Ein solches System kann die Nutzung ermöglichen.

Gleichzeitig entstehen potenziell:

  • Wartung
  • Kontrolle
  • Instandsetzung
  • technische Verantwortung

Deshalb Erschließungsqualität differenzieren ​

Ein Grundstück kann erschlossen sein, ohne innerörtlich-standardmäßig erschlossen zu sein.

Unterschied zwischen vorhanden und marktüblich ​

vorhanden ​

Versorgung funktioniert grundsätzlich.

marktüblich ​

Versorgung entspricht typischen örtlichen Infrastrukturverhältnissen.

Bei Spezialimmobilien können diese Ebenen auseinanderfallen.

Warum das wertrelevant ist ​

Ein Käufer bewertet nicht nur:

Kann ich das Gebäude nutzen?

Sondern auch:

Wie aufwendig und risikobehaftet ist diese Nutzung dauerhaft?

Saisonabhängigkeit ​

Das Gutachten beschreibt die Nutzung ausdrücklich als saisonal geprägt.

Für die Ertragsbetrachtung wurde eine maximal realistische Bewirtschaftung von rund:

200 Tagen im Jahr

angesetzt.

Saisonabhängigkeit ist mehr als Öffnungszeitenfrage ​

Sie beeinflusst:

  • Jahresumsatz
  • Personalplanung
  • Wareneinsatz
  • Pachtfähigkeit
  • Kapitalverzinsung

Wetterabhängigkeit ​

Bei einer Berggaststätte können:

  • Regen
  • Schnee
  • Sturm
  • schlechte Sicht

die Besucherfrequenz stark beeinflussen.

Wetter wirkt damit auf die Immobilie mittelbar über den Betrieb ​

Nicht das Wetter selbst ist der Wertabschlag.

Entscheidend ist:

Wie stark beeinflusst es die nachhaltige wirtschaftliche Nutzbarkeit?

Besucherfrequenz als Schlüsselgröße ​

Ein innerörtliches Restaurant kann auf:

  • Laufkundschaft
  • Stammgäste
  • lokale Nachfrage

zurückgreifen.

Eine Berggaststätte hängt stärker von:

  • Ausflüglern
  • Wanderern
  • Touristen

ab.

Dadurch entsteht zusätzliche Schwankungsanfälligkeit ​

Die Nachfrage kann sich stärker verändern durch:

  • Saison
  • Ferien
  • Wetter
  • touristische Trends
  • Wegzustand

Besucherabhängigkeit und Betreiberabhängigkeit verstärken sich ​

Ein gutes Konzept kann Besucher anziehen.

Ein schwaches Konzept kann trotz guter Lage wenig Erfolg haben.

Für die Bewertung zählt deshalb nicht der beste denkbare Betreiber ​

Maßgeblich ist die nachhaltig marktübliche Nutzbarkeit.

Wie diese Merkmale in der Bewertung wirken können ​

Sie können an mehreren Stellen relevant werden.

Bodenwert ​

Die besondere Erschließung und Erreichbarkeit können die Grundstücksqualität gegenüber innerörtlichen Lagen reduzieren.

Pacht ​

Ein Pächter berücksichtigt:

  • Saison
  • Zufahrt
  • Logistik
  • Besucherabhängigkeit

in seiner Zahlungsbereitschaft.

Liegenschaftszinssatz ​

Ein Investor kann wegen der höheren betrieblichen Unsicherheit eine höhere Rendite verlangen.

Sachwertfaktor ​

Die eingeschränkte Marktgängigkeit kann auch die Marktanpassung im Sachwert beeinflussen.

Käuferkreis ​

Nur wenige Erwerber akzeptieren:

  • lange Zufahrt
  • Eigenversorgung
  • Saisonbetrieb
  • kleines Marktsegment

Genau hier droht Doppelberücksichtigung ​

Dasselbe Merkmal darf nicht mehrfach vollständig wertmindernd angesetzt werden.

Beispiel Almweg ​

Der Almweg kann:

  • Bodenwert beeinflussen
  • Pachtfähigkeit beeinflussen
  • Marktgängigkeit beeinflussen

Das sind unterschiedliche Wirkungswege.

Aber der Nachteil darf nicht an jeder Stelle erneut vollständig abgezogen werden.

Deshalb Wirkung sauber zuordnen ​

Eine mögliche Trennung:

Bodenwert ​

allgemeine Standort- und Erschließungsqualität

Pacht ​

laufende wirtschaftliche Nutzbarkeit

Liegenschaftszinssatz ​

Investitions- und Marktrisiko

Eigenversorgung ebenfalls nicht doppelt berücksichtigen ​

Wenn die besondere Ver- und Entsorgung bereits im Bodenwertansatz enthalten ist, sollte nicht ohne neue Begründung nochmals ein separater vollständiger Abschlag erfolgen.

Saisonabhängigkeit ebenfalls differenzieren ​

Sie kann bereits in einer vorsichtigen Pacht enthalten sein.

Dann sollte sie nicht vollständig nochmals über einen extrem erhöhten Liegenschaftszinssatz erfasst werden.

Typische Fehler ​

Eigene Quelle mit öffentlichem Wasseranschluss gleichsetzen ​

Beide Versorgungssysteme sind wirtschaftlich nicht automatisch gleichwertig.

Eigene Kläranlage als wertneutral behandeln ​

Betrieb und Instandhaltung können zusätzliche Risiken erzeugen.

Almweg nur als Komfortthema sehen ​

Er beeinflusst Logistik, Personal, Besucher und Sanierung.

Saisonabhängigkeit ignorieren ​

Eine touristische Spezialimmobilie kann nicht mit ganzjährig gleichbleibender Nutzung bewertet werden.

Wetterrisiko direkt pauschal in Euro umrechnen ​

Entscheidend ist die wirtschaftliche Wirkung, nicht das Wetter selbst.

Besucherfrequenz mit sicherem Umsatz gleichsetzen ​

Besucherzahlen sind unsicher und betreiberabhängig.

Dieselben Nachteile mehrfach vollständig berücksichtigen ​

Doppelberücksichtigung vermeiden.

Vorgehensweise ​

Bei touristischen Außenbereichsobjekten empfiehlt sich folgende Prüfung:

Schritt 1 – Zufahrt erfassen ​

  • Länge
  • Fahrzeit
  • Wegqualität
  • ganzjährige Nutzbarkeit

Schritt 2 – Liefer- und Betriebslogistik prüfen ​

Welche zusätzlichen Aufwände entstehen?

Schritt 3 – Wasserversorgung analysieren ​

  • Quelle
  • Aufbereitung
  • Wartung
  • Betriebssicherheit

Schritt 4 – Abwasserentsorgung analysieren ​

  • eigene Anlage
  • technische Funktionsfähigkeit
  • Instandhaltungsbedarf

Schritt 5 – Saisonabhängigkeit bestimmen ​

Wie viele wirtschaftlich sinnvolle Betriebstage sind realistisch?

Schritt 6 – Wetterabhängigkeit berücksichtigen ​

Wie stark schwankt die Besucherfrequenz?

Schritt 7 – Käuferkreis analysieren ​

Welche Erwerber akzeptieren diese Rahmenbedingungen?

Schritt 8 – Drittverwendungsfähigkeit prüfen ​

Wie leicht wäre eine andere Nutzung möglich?

Schritt 9 – Wirkungen den Bewertungsparametern zuordnen ​

Nicht denselben Nachteil mehrfach vollständig erfassen.

Schritt 10 – Gesamtverwertbarkeit würdigen ​

Technische Erschließung und wirtschaftliche Erreichbarkeit gemeinsam betrachten.

Formulierungsbaustein ​

Die Ver- und Entsorgung des Bewertungsobjekts weicht von einer innerörtlichen Standardsituation ab. Die Wasserversorgung erfolgt über eine eigene Quelle mit technischer Aufbereitung; die Abwasserentsorgung erfolgt über eine eigene Anlage. Diese Einrichtungen ermöglichen die Nutzung des Grundstücks, sind jedoch hinsichtlich Betrieb, Wartung und langfristiger Investitionsrisiken nicht ohne Weiteres mit einer üblichen öffentlichen Ver- und Entsorgung gleichzusetzen.

Auch die verkehrliche Erreichbarkeit ist gegenüber innerörtlichen Grundstücken deutlich eingeschränkt. Die Zufahrt erfolgt über einen längeren Alm- beziehungsweise Wirtschaftsweg. Hieraus ergeben sich besondere Anforderungen an Besucher-, Liefer-, Personal- und Instandhaltungsverkehr.

Für die touristische Nutzung besitzt diese Lage zugleich eine besondere Attraktivität. Die wirtschaftliche Nutzung bleibt jedoch wetter-, saison- und besucherabhängig. Diese Faktoren sind bei der nachhaltig erzielbaren Pacht, der Marktgängigkeit und der allgemeinen Risikobeurteilung zu berücksichtigen.

Soweit die einzelnen Nachteile bereits in Bodenwert, Pacht oder anderen Marktparametern berücksichtigt sind, ist eine zusätzliche vollständige Berücksichtigung derselben Wertwirkung zu vermeiden.

Kernaussage ​

Bei Berg- und Außenbereichsimmobilien kann eine funktionierende Erschließung trotzdem wirtschaftlich deutlich von innerörtlichen Standards abweichen. Im Praxisfall erfolgte die Zufahrt über einen rund 7 bis 8 km langen Almweg, die Wasserversorgung über eine eigene Quelle mit UV-Aufbereitung und die Abwasserentsorgung über eine eigene Kläranlage. Gleichzeitig war die Nutzung stark von Saison, Wetter und Besucherfrequenz abhängig. Diese Merkmale wirken nicht nur technisch, sondern auf die gesamte Marktgängigkeit und Ertragsfähigkeit des Objekts. Entscheidend ist deshalb nicht allein, ob Versorgung und Zufahrt vorhanden sind, sondern wie zuverlässig, aufwendig und marktüblich sie für die konkrete Nutzung sind.

Verwandte Themen ​

  • Erschließung im Außenbereich
  • eigene Quelle bei Immobilien
  • eigene Kläranlage
  • Almweg und Verkehrswert
  • Erreichbarkeit bei Spezialimmobilien
  • Saisonabhängigkeit
  • Wetterabhängigkeit bei touristischen Immobilien
  • Besucherfrequenz und Pacht
  • Berggaststätte im Außenbereich
  • Drittverwendungsfähigkeit
  • Marktgängigkeit von Spezialimmobilien